Mein letzter Tag in Israel ist angebrochen. Keine 24 Stunden mehr, dann geht der Flieger. Ich würde es durchaus hier noch aushalten. Und es gäbe noch viel zu sehen. Ich bin zufrieden mit diesen Tagen hier, fand was ich suchte, meine Art zu Reisen. Gestern war ich mit Lara verabredet. Sie kommt aus Deutschland, hat einen israelischen Freund, fotografiert und modelt als Hobby. Also auf zum Busbahnhof. Mit der Straßenbahn durch all die bunten Viertel Jerusalems. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Hier vom modernen jüdischen Viertel Pisgat Ze'ev geht es durch ein muslimisches Viertel, dem sich dann auf einer Straßenseite das jüdisch-orthodoxe Viertel anschließt. Diese Gruppen zerfallen in ganz viele Untergruppen, alle erkennbar an ihrer Kleidung. Man sieht sofort wer, wer ist. Kopftücher, Rocklängen, Hüte, Löckchen, alles verrät etwas über den den Träger. Was in den ersten Tagen so exotisch war, ich jetzt normal für mich. Im Zentrum vermischt sich alles. Am Busbahnhof interessiert sich tatsächlich mal jemand für meine Fototasche. Sicherheit muß sein. Der Bus ist zu spät dran, dass habe ich noch nicht erlebt. Und es wird noch später. Auf der Eins ist ein Unfall, ein Pkw zweigeteilt. Der Verkehr schleicht zweispurig daran vorbei, während Sanitäter die traurigen Reste einsammeln.In Tel Aviv das übliche Gewusel. Finde schnell den Weg nach Yafo, der Altstadt. Vorbei an Autowerkstätten in denen ich vielleicht nichts reparieren lassen würde und allen möglichen Läden, immer dem Meer entgegen. Auf dem Berg dann die St. Petrus-Kirche, unser Treffpunkt, wunderbarer Blick über Tel Aviv. Wie es sich gehört kommt Lara zu spät. Ich habe inzwischen so ziemlich alles fotografiert, was der Platz hergibt, inklusive eines Hochzeitspaares. Eine Stunde lang. Der Verkehr, der Bus, Israel halt. Irgendwann trudelt sie ein. Sie hat Durst, ich Hunger, wir setzen uns ins Café. Leckeres Baguette zu einem Sandwich gepresst, dazu frischer Salat. Meine Lebensgeister kehren wieder, es ist warm. Wir machen ein paar Bilder, schlendern durch Gassen, lotsen ihren Freund in unsere Richtung, machen noch mehr Bilder, telefonieren wieder mit dem Freund, bis die Sonne langsam untergeht, dann ist auch Barack endlich da. Jung, entspannt, freundlich und extrem gutes Englisch. Wir genießen den Ausblick am Hafen, entdecken das Sendergebäude von i24news. Schade, dass die nicht deutsch senden, wäre ein netter Arbeitsplatz. Wir quatschen und bummeln den Strand entlang. Staunen über den wunderbaren Vollmond über der Skyline. Irgendwann trennen sich unsere Wege wieder, die beiden müssen zum anderen Busbahnhof.
Zu Hause wieder großes Gewusel. Idan fliegt nach New York. Rührende Abschiedsszene. Als alle weg sind, kocht uns Aliza noch etwas. Wir sitzen noch lange und reden. Über Kinder, das Land, das Leben und Englischlernen.
Heute wird es mal Zeit Souveniers zu kaufen, sicher noch ein letzter Kaffee und dann hoffen, dass das mit dem Taxi zum Flughafen heute Nacht klappt.

Shalom aus Jerusalem