Mal wieder am Busbahnhof. Nach einem echt faulen Vormittag zu Hause - und der war nötig. Schön hintereinander, etwas anderes lässt die Absperrung auch nicht zu, geht es an der Security vorbei. Breitbeinig, verschränke Arme, durchtrainiert, Sonnenbrille, wichtiger Bilck. Es piept. War meine Tasche. Ich gehe weiter, stört auch keinen. Hat die Tage sowieso noch niemanden gestört. So viel zur Sicherheit. Durch's unvermeidliche Einkaufszentrum in den ersten Stock, ich gönne mir wieder den Info-Schalter, geht schneller, Bussteig 16. Der grüne Egged-Bus steht schon da, bezahlen und ab geht es nach Tel Aviv. Hinter mir sitzen eigentlich nur zwei Leute, reden aber in drei Sprachen. Wie ich später mitbekomme sind es ein Palestinänser und ein Israeli, die sich die Stunde Fahrtzeit mit gegenseitigem Sprachunterricht vertreiben. Zwischendurch brauchen sie dann immer englisch. Man wenn hier alle so wären. Ich spreche deutsch. Mit der Frau neben mir. Sie kommt aus dem Elsass, hat leider ihren Freund dabei.
Wir sind da, ab ins Gewirr. Über die Rolltreppen hinunter aus dem 6. Stock Richtung Ausgang. Zwischen Treppen und Geschäften treffe meine ich beiden Franzosen noch zweimal wieder. Dann hab ich einen Ausgang gefunden. Natürlich den hinteren. Die Taxi-Fahrer hoffen sofort auf ein gutes Geschäft. Ich gehe zu Fuß. Das Viertel ist verkommen. Die Gesichter vor den Läden sind gegerbt von Arbeit und wenig Geld. Dazwischen dann immer wieder Designermöbel aus der Garage. Mein Orientierungssinn trügt nicht. Die Menschen werden mehr, die Straßen breiter und endlich Levinski Street. Wunderbar hektisch hier. Statt nach Karte gehe ich meine Wege nach Wind und Sonne. Ist einfacher und genauer. Alte Häuser im Bauhaus-Stil, meist runtergekommen, dahinter drohen Hochhäuser die Moderne an. Eine Fußgängerzone, nicht sehr attraktiv, dank Baustelle. Aber die Richtung stimmt, der Geruch auch, ich bin am Carmel-Markt gelandet. Gedrängel, viele Sprachen, Obst, Gemüse, Unterhosen mit israelischer Flagge - ich überlege kurz. Entscheide mich dann aber doch für das beste Falafel von allen. Für ganze sieben Schekel (ca. 1,50€) und koscher. Gemüse vom Golan preist der Araber gegenüber an. Mein Falafel-Mann schimpft was das Zeug hält. Bin froh das jetzt nicht alles zu verstehen. Am Ende des Marktes kommt der Wind von rechts, also ab Richtung Meer. Strand, Cola, Sonnenuntergang. So lässt sich das aushalten. Gleich nebenan die Ruine des Dophinariums. Eine meiner Locations für Sonntag, schade das mein Model nicht schon da ist. Das ein junger israelischer Soldat am Golan von einem 16jährigen erstochen wird, jüdische Siedler palestinänsische Häuser anzünden, von all dem merke ich nichts und erfahre es erst beim abendlichen Blick ins Internet. Aber jetzt bin ich hier, genieße die warme Luft, bummele zur blauen Stunde zurück Richtung Busbahnhof. Die Strassen sind voll, die Menschen gut gelaunt. Vor einem Laden bleibe ich stehen. "Camera-Repair" Dreckiges Schaufenster, ein durcheinander an alten Kameras. Ich werfe einen Bilck hinein. Ein Paradies. Werde Sonntag wieder vorbei schauen. Die Rückfahrt, ganz deutsch mit Stau auf der A1. Berufsverkehr halt, auch hier. Im Busbahnhof sagt ein junger Jude mindestens zehn mal "toda raba" (Vielen Dank) als ich ihm helfe den Kinderwagen die Treppe hochzutragen. Tippe auf Siedler. Die anderen Kinder haben er und seine Frau auf der Schulter. Da kann ich nicht vorbeigehen. In der Straßenbahn auch alles normal. Erst steigen alle ein, ein Stück weiter, dann die Touristen, wieder ein Stück weiter, dann die Orthodoxen, dann die Muslims und hier in Pisgat Ze'ev die Säkularen. Es fällt mir schon kaum noch auf. Heute ist Aliza früher zu Hause, ihr Sohn auch. Wir quatschen, über seinen VW Käfer Baujahr 62, über Gott und die Welt. Heute Abend ist Shabbat. Ich bin eingeladen. Also auch bei mir ein Ruhetag, hier fährt sowieso kein Bus, keine Bahn. Nächste Gesichte dann also am Sonntag. 
Shabbat Shalom aus Jerusalem.